EIN PAAR PERSÖNLICHE WORTE ÜBER UND MIT GERHARD TERSTEEGEN
AUS VERSCHIEDENEN BLICKRICHTUNGEN
IM HEUTIGEN DEUTSCH

Vielleicht klingt es etwas respektlos, wenn ich Gerhard Tersteegen in folgendem in Du-Form anspreche. Wenn ich aber eines durch das Studium der verschiedenen Bücher Tersteegens verstanden habe, dann das, daß Tersteegen damit kein Problem gehabt hätte.

Gerhard, Deine Texte, Deine Sprache ist für heutige Ohren etwas schwülstig. Also, wenn Du in dem Kirchenlied „Ich bete an die Macht der Liebe“ in der dritten Strophe von „Oh Jesu, daß dein Name bliebe, im Grunde tiefgedrücket ein; möcht deine süße Jesuliebe in Herz und Sinn gepräget sein“ sprichst, könnte ich mir vorstellen, daß so mancher Diabetiker eine echte Krise bekommen würde.

Überhaupt sind so manche Texte emotional volltriefend – wenn Du weist, was ich meine! Irgendwie hattest Du wohl einen besseren Zugang zu Gott – das gestehe ich ein! Sehr stark beeindruckt bin ich von Deiner Direktheit. Für Dich ist GOTT keine Abkürzung für Guter Opa, Total Taub, sondern Du sagst und lebst so, als könntest Du ihn direkt verstehen – ja sogar mit ihm reden, als stünde er vor, neben, hinter, über oder unter Dir – echt genial. Irgendwie scheint uns da in der heutigen Zeit etwas abzugehen. Anscheinend geht bei uns alles über den Kopf. Damals sagten Leute über Dich, daß schon in Deiner Gegenwart Dein freundliches Wesen zu spü­ren war und Du ohne Umschweif zielsicher etwas auf den Punkt bringen konntest, exakt verbal geholfen hast und Deine „süßen“ Reden eine durchdringende Kraft besaßen. Vielleicht war es das, Du konntest Menschen in ihrer seelischen Not abho­len und das ist ja etwas, was heute keinen mehr interessiert. Heute wollen wir nur in unserer materiellen Not abgeholt werden. Oh, das verstehst Du nicht?

Verständlich, Du bist noch abends losgegangen (damit Dich keiner sieht) und hast Notleidenden noch von dem abgegeben, was Du selber hattest, und Du hattest nicht viel. Arzneimittel hast Du hergestellt, nicht als Konkurrenz für Apotheker und Ärzte, sondern, um sie denen zu geben, die kein Geld hatten, etwas zu kaufen. Also, unsere materielle Not ist, daß wir nur 1 Wohnung, 2 Autos, 3 Fernseher haben, 2x in den Urlaub fahren können und die Werbung uns täglich sagt, daß wir alles viel mehr und öfter besitzen müssen – ok, das haben nicht alle. Aber von daher gibt es so etwas wie seelische Not gar nicht mehr.

Hey – Gerhard, bleib locker, Du widersprichst? Ach, Du meinst, daß es schon Bedarf gibt? Klar – wir leben im Zeitalter von New Age! Boomende Esoterikläden, Astrologie und endlose Warteschlangen in psychologischen und neurologischen Praxen und Beratungsstellen.

Ok – das gehört jetzt nicht hier her. Wobei, Du hast durch Dein Leben und Schaffen ein deutliches Zeichen für ganzheitliches, erfülltes und in der tiefe des Herzens glückliches Leben gesetzt. Und Du meinst wirklich, das wollen wir Menschen von heute noch? Ja, vielleicht – aber wer will schon so leben wie Du? Das ist heute völlig out! – – So muß man auch nicht leben, sagst Du, um göttliche Erlösung zu erfahren. Das klingt irgendwie mega cool.

Also Gerhard, Du verstehst es, mich echt neugierig zu machen – und zwar heftig!

Günther G. Stolz, 12/1997
ehem. Leiter der Gerhard-Tersteegen-Instituts
in der Festschrift des GTi zum 300. Geburtstag des Namensgebers

Gott (…) kommt als Kind zu uns, damit wir Liebe zu ihm fassen.

Ohne Sterben kommt man nicht zum Leben
Und ohne Leiden nicht zum Tod:
Willst du dem Leiden widerstreben,
So machst du dir nur größ’re Not.

Eine kleine Treue bringt oft eine große Kraft.

Was lieben wir? Was hat bei uns die Oberhand? Woran denken wir des Morgens am ersten? Und woran den Tag am meisten? Denn daran kann man schon etwas prüfen, wo unser Schatz ist.

Durch die Liebe werden die bittersten Leiden süß, die wunderlichsten Begebenheiten gut, die kleinsten Werke groß und göttlich.

Erkenne dich selbst
Wie kann ein Mensch noch über andre klagen?
Mir fehlt Geduld, daß ich mich selbst kann tragen;
Wer tief sich kennt und sich nur fühlet recht,
Will gerne sein der größten Sünder Knecht.

Reich ist, wer viel hat,
reicher ist, wer wenig braucht,
am reichsten ist, wer viel gibt.